Vermögensverteilung in Österreich – Was ist gerecht?

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Wer besitzt wie viel in Österreich? Und wie ist das Vermögen über die ganze Bevölkerung verteilt? Diese Fragen sind ebenso interessant wie schwer zu beantworten. Wer dazu forscht, stößt auf ein großes Problem: Wer reich ist, spricht nicht gern über sein Vermögen! Eine Studie der Johannes Kepler Universität (JKU) schafft nun mittels statistischer Methoden genaueren Einblick in die Vermögensverteilung Österreichs.

Wer in der Vergangenheit mehr über die Vermögensverhältnisse in Österreich wissen wollte, hatte es schwer, da Österreich keine Vermögens-, Erbschafts- oder Schenkungssteuern einhebt und es wenig konkrete Daten gibt. Mit der Household Finance and Consumption Survey (HFCS) – einer europaweiten Befragung der europäischen Zentralbank (EZB) – stehen nun erstmals aussagekräftige Daten zu Vermögen und Schulden der ÖsterreicherInnen zur Verfügung. Allerdings gibt es auch hier Schwierigkeiten: Besonders reiche Personen sind in der Umfrage fast nicht vertreten und geben dann oftmals auch keine Auskunft über ihr Vermögen. Forscher der JKU konnten nun mit bewährten statistischen Methoden diese Probleme überwinden. Mittels Schätzverfahren gelang es, die Vermögensverteilung der reichsten Personen in Österreich realitätsgetreuer darzustellen. Auch wenn die Studie Vermögen von mehr als einer Milliarde nicht miteinbezieht und so die Reichsten der Superreichen nicht Teil der Berechnung sind, wurde dennoch erstmals eine aussagekräftige Darstellung der Vermögensverteilung in Österreich erstellt.

Ungleiche Verteilung – ein ökonomisches und gesell­schaftliches Problem

Die Ergebnisse der Studie sind erstaunlich. So besitzen alle Haushalte Österreichs gemeinsam ein Vermögen von 1.249 Milliarden Euro. Dieser Reichtum ist allerdings alles andere als gerecht verteilt. Das reichste Prozent der Bevölkerung hat ein Vermögen von 470 Milliarden Euro, das sind 37% des Gesamtvermögens. Das Durchschnittsvermögen im obersten Prozent beträgt demnach 12,67 Millionen Euro. Wobei noch einmal betont werden muss, dass Milliardäre nicht in die Berechnung miteinbezogen wurden. Im Gegensatz dazu hat das ärmste Prozent der Bevölkerung ein Vermögen von minus 5,5 Millionen Euro. Der durchschnittliche Haushalt im unteren Perzentil ist also mit 143,35 Euro verschuldet.Gerecht2

Der Gegensatz zwischen Arm und Reich beschränkt sich aber nicht nur auf den Vergleich der Extremwerte. Auch die Gegenüberstellung der oberen und unteren Bevölkerungshälfte zeigt, dass der Besitz nicht annähernd gleichmäßig verteilt ist. Die ärmere Hälfte der Haushalte hält nur 2,2% des Gesamtvermögens während die reichere Hälfte 97,8% besitzt. Aber auch innerhalb der reicheren Hälfte der Bevölkerung konzentriert sich das Vermögen in den Händen weniger. Von den 1.249 Milliarden Euro Vermögen die in Österreich existieren, gehören 57,8% den reichsten 5 Prozent der Haushalte. Ein Zwanzigstel der Bevölkerung besitzt also mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens. 90% der Österreicher besitzen nur 31% des Gesamtvermögens. Diese Konzentration wird sich in Zukunft noch weiter verstärken, da all jene, die bereits Vermögen besitzen im Schnitt absolut und relativ größere Vermögenszuwächse erhalten. Bei der Vermögenskonzentration handelt es sich um einen selbstverstärkenden Effekt, je mehr man hat, desto mehr bekommt man dazu.

Die Folge ist eine Gesellschaft mit wenigen sehr reichen am oberen Ende und vielen Menschen mit Schulden am unteren Ende. Diese Unterschiede sind nicht nur von ökonomischer sondern auch von gesellschaftlicher Bedeutung, da ökonomische Ungleichheit mit gesellschaftlichen Problemen wie etwa Fettleibigkeit, Selbstmordraten, Drogenkonsum, Fremdenfeindlichkeit oder mentalen Krankheiten einher geht.

Ungleiche Verteilung als Herausforderung für die Gesellschaft

Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn die oberen und unteren Ränder sich immer weiter voneinander entfernen? Die einen verschulden sich immer weiter, die anderen haben aufgrund ihres großen Vermögens alle Möglichkeiten. Klar ist: Wenn die Schere zwischen Arm und Reich auseinander geht, betrifft das das Leben jedes Einzelnen und die Funktionsfähigkeit der Gesellschaft im Gesamten. Ökonomisch ungleiche Länder wie die USA, Portugal und Großbritannien weisen weitaus höhere Werte bei Fettleibigkeit, Teenagerschwangerschaften, Drogenkonsum oder der Kriminalitätsrate auf als Länder, in denen der Unterschied zwischen Arm und Reich geringer ist, wie etwa Japan, Schweden oder Finnland.

Ökonomische Ungleichgewichte sind sogar ein doppeltes Risiko für jede Volkswirtschaft. So wurde der relative Abstieg der Lohneinkommensbezieher in den USA zu einer der zentralen Triebfedern der seit 2008 andauernden Finanz- und Wirtschaftskrise. Werden viele Menschen ärmer und wenige immer reicher, schadet das der Wirtschaft. So müssen immer mehr Menschen sparen, was zu einem Einbruch des Konsums führt, den der Kauf von Luxusgütern durch wenige Privilegierte bei weitem nicht ausgleichen kann.

Steuern auf große Vermögen als ein Weg aus der Ungleichheit

Es steht also viel auf dem Spiel. Vermögensbezogene Steuern sind ein Ausweg aus dem selbstverstärkenden Effekt der wachsenden Vermögenskonzentration. Wie die Linzer Studie zeigt, würde beispielsweise eine Steuer auf Millionenvermögen nur einen kleinen Teil der österreichischen Bevölkerung treffen. Jedenfalls aber verhindert eine Vermögenssteuer, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnet und die Kluft innerhalb der Gesellschaft wächst. Davon profitieren schlussendlich alle Menschen, denn gleichere Gesellschaften sind glücklicher.

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