Marie Jahoda

“Passfoto”

* 26. Jänner 1907 in Wien
† 28. April 2001 in Keymer, Sussex, GB
auch Marie Jahoda-Lazarsfeld
Pseudonym: M. Mautner
Jahoda war eine österreichische Sozialforscherin und Sozialpsychologin

Leben

Buchvorstellung

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Illustration: Oliver Dorfer aus der Serie „hand-cranked“ (2017)

Der Blick auf die alltäglichen Sorgen der Menschen steht im Mittelpunkt der lebensnahen Forschung von Marie Jahoda. Ihre hier erstmals veröffentlichte Dissertation von 1932 beruht auf lebensgeschichtlichen Interviews mit Frauen und Männer in den Wiener Versorgungshäusern. Die Erzählungen über Arbeit, Geschlechterbeziehungen, Familie, glückliche und unglückliche Erfahrungen dokumentieren die Lebensrealitäten der arbeitenden Klassen zwischen 1850 und 1930.
Das Buch enthält auch eine umfassende Biographie über Marie Jahoda, ihre Forschungstätigkeit zwischen Wissenschaft und Politik und stellt ihre Dissertation in einen sozial- und wissenschaftsgeschichtlichen Rahmen.

„Es ist das Verdienst dieses Buches, eine bedeutende Sozialwissenschaftlerin in Erinnerung zu rufen, deren Leben und wissenschaftliches Werk in einzigartiger – und teilweise schmerzlicher – Weise die politische Geschichte Österreichs widerspiegelt.“ Helga Nowotny

MARIE JAHODA
Lebensgeschichtliche Protokolle der arbeitenden Klassen 1850–1930.
Dissertation 1932
Herausgegeben von Johann Bacher, Waltraud Kannonier-Finster, Meinrad Ziegler
ISBN: 978-3-7065-5567-8

Buch bestellenLeseprobe

Forschung

Die soziale Bedeutung von Arbeit

Als Sozialpsychologin entwickelt Marie Jahoda ein breites Verständnis von Arbeit. Arbeit versteht sie nicht nur als ökonomische Notwendigkeit, sondern als „das innerste Wesen des Lebendigseins“. Arbeit ist mehr als Erwerbstätigkeit, dazu gehören auch Kindererziehung, Hausarbeit oder Schwarzarbeit. Die Erfahrung der Arbeit, so betont Jahoda, befriedigt tiefliegende menschliche Bedürfnisse, auch wenn sie mit Mühsal und unter schlechten Bedingungen ausgeführt werden muss. „Gleichgültig, ob man die Arbeit liebt oder hasst, sie ist in modernen Industriestaaten so organisiert, dass sie das tägliche Leben und Erleben der Beschäftigten notwendigerweise zutiefst beeinflusst.
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Das Phänomen des Nationalismus

„Wie ist die Anziehungskraft brutaler nationalistischer Bewegungen auf so viele Menschen zu erklären?“ Diese Frage stellt Marie Jahoda in den 1990er Jahren als nationalistische Bewegungen zusehends an politischer Bedeutung gewinnen. Die kulturelle oder nationale Identität als Teil der Persönlichkeit kann vor allem in Zeiten gesellschaftlicher Veränderung und Unsicherheit angesprochen werden, wenn andere Teile der Selbstdefinition wie Beruf oder Familie in Frage gestellt sind. Dass charismatische Führer diese Umstände ausnutzen und so Erfolg haben sieht sie als eine Gefahr für die Gesellschaften. Sie warnt, dass der Nationalismus in seiner gegenwärtigen Form die Weltprobleme verschärft.
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„Lebensnahe Forschung“ als Prinzip

Marie Jahoda ging es darum, die reale Welt und ihre Probleme als Herausforderung zu betrachten und mit ihrer Forschung dazu beizutragen, dass diese Welt durch gemeinsame Anstrengung ein wenig lebenswerter gemacht wird. Jahoda bezog sich in ihrer Arbeit stets auf aktuelle gesellschaftliche Probleme, sie wollte das Unsichtbare sichtbar machen. Ihr Zugang der lebensnahen Forschung anerkennt, dass die Realität des Individuellen untrennbar mit der Realität der sozialen Welt verknüpft ist. Denn als Sozialpsychologin sieht sie es als zentrale Herausforderung die soziale Struktur und das Individuum gleichzeitig zu verstehen.
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Im Gespräch

Marie Jahoda:
Im Kampf gegen den Austrofaschismus.

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Marie Jahoda (1907–2001) schildert den Schock, den die standrechtliche Hinrichtung eines Bekannten durch das Dollfuß-Regime im Februar 1934 bei ihr auslöste, und ihre Inhaftierung im austrofaschistischen „Ständestaat“.
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Marie Jahoda:
Ganz Österreich war in zwei Weltanschauungslager gespalten.

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Die Sozialwissenschaftlerin Marie Jahoda (1907–2001) schildert ihr Aufwachsen in einer jüdischen Familie in Wien, ihr politisches Engagement und berichtet von der Entstehung ihrer gemeinsam mit Paul Lazarsfeld und Hans Zeisel verfassten bahnbrechenden Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“.
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Interview mit Marie Jahoda 1997 (Englisch) Part 1

This is a video interview of Marie Jahoda from a 1997 community psychology class hosted by Jim Kelly. The interviewer is Dr David Fryer. It is part of a series created by Dr Kelly on the History of Community Psychology.

Interview mit Marie Jahoda 1997 (Englisch) Part 2