
Während täglich über die Rettung von Banken und des Euros diskutiert wird, bekommt die Problematik der rasch steigenden Jugendarbeitslosigkeit kaum Aufmerksamkeit. Ein Fehler, der eine große Gefahr für das europäische Projekt darstellt. Gerade jene Generation, die allgemein sehr positiv gegenüber der europäischen Integration eingestellt ist, zählt zu den Hauptbetroffenen der Wirtschafts- und Finanzkrise. Den EU-Mitgliedsstaaten mit den höchsten Jugendarbeitslosigkeitsquoten fehlen die budgetären Spielräume um sinnvolle Beschäftigungsprogramme in die Wege zu leiten.
Notwendig sind daher europäische Lösungen, die bis jetzt ausgeblieben sind. Ziel sollte die Halbierung der Jugendarbeitslosigkeitsquote innerhalb der nächsten fünf Jahre sein. Derzeit beträgt die Jugendarbeitslosigkeitsquote in der Europäischen Union 21,4 Prozent. Es sind rund 5,5 Millionen Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren ohne Beschäftigung. Damit sind um 1,5 Millionen Jugendliche mehr arbeitslos als vor Ausbruch der Krise. Mit dauerhaft hoher Jugendarbeitslosigkeit sind nicht nur individuelle Schicksale und enorme ökonomische Kosten verbunden, sondern sie stellt auch eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt dar.
Das Problem wird unterschätzt

75.000 Jugendliche in Österreich betroffen

Strafen sind keine Lösung
Als Lösung schlugen konservative KommentatorInnen vor, die Strafen für Eltern zu erhöhen, die ihre Kinder nicht in die Schule schicken. Damit verbunden wurde der Vorwurf, dass es an den Werten der Eltern oder den Kindern liegt und diese selbst für ihre Schicksale verantwortlich seien. Die Ursachen im Bildungssystem werden bewusst nicht gesehen und die Kreativität bei den Lösungsvorschlägen bleibt somit äußerst beschränkt. Selbst wenn höhere Strafen für SchulschwänzerInnen einen Lenkungseffekt hätten, würde es nichts an den Ergebnissen in der Schule ändern. Die Konsequenz wären Schulen mit demotivierten SchülerInnen.
Es ist ein soziales Problem
In der Literatur herrscht Einigkeit darüber, dass das Risiko für Jugendliche zur NEET-Gruppe zu gehören in starkem Zusammenhang mit der sozialen Herkunft steht. So haben junge Menschen, deren Eltern eine niedrige Bildung aufweisen, ein doppe
lt so hohes Risiko sich weder im Beschäftigungs- noch im Bildungssystem zu befinden. Gleiches gilt für Jugendliche die in einem Haushalt mit niedrigen Einkommen leben oder deren Eltern arbeitslos sind. Anders ausgedrückt Bildungsbenachteiligungen werden „sozial vererbt“ und festigen sich nach der Schulpflicht am Arbeitsmarkt.
Abbau von Bildungsbarrieren
Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, gilt es an erster Stelle präventiv im Schulsystem selbst anzusetzen. Für Chancengleichheit der Kinder und Jugendlichen muss es gelingen, die notwendige Gleichheit zwischen den sozialen Gruppen herzustellen. Ganztagsschulen können hierfür einen wesentlichen Beitrag leisten, indem die zusätzlichen zeitlichen Ressourcen für eine individuelle Förderung von leistungsschwächeren SchülerInnen genutzt werden.
Auch Jugendliche, die es besonders schwer haben am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, brauchen eine bessere Betreuung. Ein flächendeckendes Case-Management sollte etabliert werden, um ständige Bezugspersonen und individuelle Unterstützung auch nach dem Ende von Einzelmaßnahmen bieten zu können. Wichtig erscheinen Fördermaßnahmen zur Verbesserung bzw. zum Nachholen allgemeiner schulischer Basiskompetenzen (Mathematik, Deutsch), die auch auf die Bedürfnisse von MigrantInnen besser abgestimmt sind. Um diese Unterstützungsangebote adäquat zu gestalten, braucht es eine verstärkte Koordinierung und Vernetzung aller beteiligen AkteurInnen. Institutionsübergreifende Interventionen und Lösungen am Arbeitsmarkt können insbesondere durch regionale (Jugend-)Netzwerke entstehen.



