Emanzipation der Emanzipation

Vergangenes Wochenende fand wieder der wunderbare Momentum Kongress in Hallstatt statt. Als Marie Jahoda – Otto Bauer Institut waren wir auch mit einem Paper dabei, weiter unten findet ihr unseren Abstract sowie die dazugehörige Präsentation. Eines ist klar: nächstes Jahr wieder. Momentum 2014 ist vorbei, lang lebe Momentum 2015 (mit „Kritik“ als Kongressthema). Wir freuen uns!

Abstract: Emanzipation der Emanzipation
Im Beitrag wird die These vertreten, dass das Grundinteresse im Zusammenhang mit der Gründung der Sozialdemokratie war, den arbeitenden Menschen bessere Lebensbedingungen zu verschaffen. Dieser emanzipatorische, aufklärerische Zugang ermöglichte eine breites Bündnis von ArbeiterInnen und damit die Verstetigung der Bewegung als sozialdemokratische Parteien. Die ersten politischen Forderungen wie die Versammlungsfreiheit, das allgemeine Wahlrecht oder der 8 Stunden Arbeitstag konnten in der Folge erreicht werden.

Die Sozialdemokratie als Partei wurde zu einem zentralen Faktor im politischen System. Mit diesem Wandel von der Bewegung zur Partei änderten sich auch die Arbeits- und Funktionsweisen. Einhergehend mit der Realisierung immer weiterer politischer Ziele gelang der ursprünglichen Zielgruppe der Sozialdemokratie ein gesellschaftlicher Aufstieg, sie wurde emanzipiert und ein Teil der Gesellschaft der heute stärker mitreden kann als noch vor 100 Jahren.

Dieser politische Erfolg ändert die Rolle der Sozialdemokratie die grundsätzliche Ausrichtung als Protestbewegung kann heute oftmals nicht mehr aufrecht erhalten werden. Das gilt vor allem in der aktuellen Situation wo die Sozialdemokratie als politische Partei mit sinkenden Mitgliederzahlen und immer schlechteren Wahlergebnissen zu kämpfen hat. In der öffentlichen Wahrnehmung wird der Vorwurf laut, dass die gemachte Politik nicht mehr den Grundwerten entspricht. Die Sozialdemokratie hat damit ein massives Glaubwürdigkeitsproblem und erreicht immer weniger Menschen, die eigentlich die Zielgruppe einer emanzipativen Bewegung sein müssten oder bereits in einer (Protest-)bewegung engagiert sind. Damit ist auch die Kooperation mit Protestbewegungen deutlich erschwert.

Der Beitrag analysiert aufbauend auf diesem Befund die organisationssoziologischen Herausforderungen für die Sozialdemokratie, um wieder eine Kopplung mit Protestbewegungen zu Stande zu kriegen und sich damit ihrem ursprünglich emanzipativen Charakter wieder anzunähern.

Die Voraussetzzunge für eine Kopplung von Partei und Protestbewegung werden herausgearbeitet und mit der historischen Entwicklung der Sozialdemokratie verknüpft. So wird an Beispielen gezeigt, wie die Kopplung zwischen Sozialdemokratie und Protestbewegungen in den Anfangsjahren, der Hochzeit (1970er Jahre) und in der aktuellen Situation der Sozialdemokratie funktioniert(e).

Als Ergebnis steht dann nicht nur eine Einschätzung des Verhältnisses zwischen Sozialdemokratie und Protestbewegungen zur jeweiligen Zeit, sondern auch Vorschläge für eine organisatorische und politische Neuorientierung für die Sozialdemokratie, damit sie wieder Anschluss an Protestbewegungen finden und als emanzipative Bewegung wahrgenommen werden kann.

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