Die Gefahr des billigen Öls

Wie der fallende Preis für fossile Energieträger die wichtige Energiewende in Österreich gefährden kann.

Ausgehend von einer steigenden Öl- und Gasförderung aus unkonventionellen Quellen befindet sich derzeit das globale Energiesystem in einer entscheidenden Veränderung. Der zuletzt stark gefallene Ölpreis führte auch hierzulande wieder zu glücklichen Gesichtern an den Tankstellen und der Frage, warum teuer in erneuerbare Energien investieren, wenn Erdöl und –gas immer preiswerter werden?
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Die Situation
Die USA befindet sich derzeit auf dem Weg zur Energieautarkie. Erstmalig seit fast zwanzig Jahren wurde 2013 wieder mehr Öl gefördert als eingeführt. Bei einem stetigen Anstieg der Förderung wird sogar erwartet, dass in den nächsten 15 bis 20 Jahren die Vereinigten Staaten sogar gänzlich unabhängig von Energieimporten aus Saudi Arabien sein werden – mit erheblichen politischen Folgen für diese Region. Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf den sprunghaften Anstieg bei der Öl- und Gasförderung durch Hydraulic Fracturing, kurz Fracking. Das daraus gewonnene Schieferöl und -gas überschwemmt derzeit den amerikanischen Energiemarkt und führt zu einem weltweiten Preisabfall bei den fossilen Energieträgern. In den USA führen die derzeitigen billigen Energiepreise zu einem regelrechten Wirtschaftsboom. Die Kehrseite dessen ist aber eine mögliche Infragestellung der teuren und ambitionierten Ziele der Energiewende. Dabei ist trotz des niedrigen Ölpreises die Investition in erneuerbare Energien gerade jetzt besonders wichtig.
Die Gefahr des billigen Öls
Der derzeit niedrige Ölpreis führt zu einem Investitionsrückgang bei neuen Öl- und Gasprojekten bei gleichzeitigem Anstieg der weltweiten Nachfrage. Jedoch benötigt besonders die kostenintensive Schieferölförderung einen stabil hohen Erdölpreis, um die Wirtschaftlichkeit der Anlagen zu gewähren. Dazu kommt, dass aufgrund der Unelastizität des Ölpreises kleinere Engpässe in der Versorgung oder ein leichter Rückgang in der Nachfrage zu großen Preisschwankungen führen. D.h. ein niedriger Ölpreis in Verbindung mit einer wachsenden Konjunktur führt zu schnell steigenden Preisen in der Zukunft. Einen Schutz vor solch extremen Preisausschlägen bietet nur eine Abkehr von fossilen hin zu erneuerbaren Energieträgern.

Erneuerbare Energien in Österreich
Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoinlandsverbrauch liegt in Österreich bei 32,6%. Wichtigster grüner Energieträger ist die Wasserkraft, die 67% der inländischen Bruttostromerzeugung liefert, deren Potential jedoch nur zu 70% ausgeschöpft und daher noch weiter ausbaufähig ist. Weitere große Energielieferer sind die Windenergie und Photovoltaiktechnologie. Das Burgenland ist beispielweise dank der Windenergie die erste europäische Region, die ihren Strombedarf zumindest bilanziell zu 100% aus erneuerbaren Energien deckt. Seit 2005 ist Österreich jedoch auf Stromimporten aus dem Ausland angewiesen. Vor allem aus Tschechien wird sogenannter Graustrom bezogen. Dies ist ein Strommix bei dem die Energiequellen unbekannt sind, der aber oftmals hohe Anteile von Atomstrom aufweist. Komplett frei von Nuklearenergie ist Österreich somit keineswegs.

Die Energiewende in Österreich
Das 2008 verabschiedete Energie- und Klimapaket der EU verpflichtet Österreich bis 2020 neben der Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energieträger auf 34%, auch die C02-Emmission auf mindestens 21% zu senken und die Energieeffizienz um 20% zu verbessern. Mit der Energiestrategie Österreich 2020 erfolgte 2009 der offizielle Startschuss die EU-Klimaziele zu erreichen, die jedoch nur als eine Zwischenetappe auf dem Weg zur einen nachhaltigen Energiesystem gesehen werden. Ziel ist es langfristige Maßnahmen zu ergreifen, die die Energiewende über das Jahr 2020 weiter vorantreiben. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, fußt die neue Energiepolitik auf eine dreifach-Strategie:

  • die Energieeffizienz erhöhen
  • Erneuerbare Energie auszubauen
  • Energieversorgung langfristig sicher zu stellen

Der Energiestrategie mangelt es jedoch an einer Konkretisierung bei der Energieeinsparung und bei dem Ausstiegsplan aus fossilen Energieträgern sowie wird die
Wasserkraft über-, die Solarenergie unterschätzt wird.

Fazit
Der zukünftige Erfolg der Energiestrategie ist abhängig vom politischen Willen auch unpopuläre und kostspielige Entscheidungen bei der Um- und Durchsetzung des Plans zu treffen. Windkraft- und Photovoltaikanlagen sind endlose Energiequellen die keine unmittelbar Gefahr für die Umwelt darstellen. Sind sie aber auch teuer und werden mitunter als Störungen in der Natur empfunden. Gleichzeitig ist ein Ausbau der entsprechenden Infrastruktur nötig und es braucht Instrumente um die volatile Produktion von Wind- und Sonnenenergie auszugleichen. Der Wandel hin zu einem nachhaltigen Energiesystem kann daher nur gelingen, wenn die Kosten, aber auch der Nutzen zwischen unterschiedlichen Akteuren, wie Energieproduzenten, privaten Haushalten und Industrie fair verteilt wird. Ein Gelingen der Energiewende ist jedoch notwendig, denn erneuerbaren Energien bringen nicht nur Einsparungen in Milliardenhöhe bei den Energieimporten und ei-nen Beitrag zur Erhaltung unseres Naturerbes, sondern schützen Österreich auch vor extremen Preisschwankungen bei den fossilen Energieträgern. Damit Energie für alle leistbar bleibt.

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