Arbeitslosigkeit in Österreich – Der Abschwung am Arbeitsmarkt: Was tun gegen die Rekordarbeitslosigkeit?

Die Arbeitslosenzahlen in Österreich sind auf dem Höchststand seit 1954, wir haben Rekordarbeitslosigkeit. Alleine im ersten Halbjahr 2014 waren mehr als 320.000 Personen in Österreich arbeitslos. Sorgen über die eigene Zukunft, soziale Ausgrenzung und Hoffnungslosigkeit stellen für Arbeitslose eine große Herausforderung dar. Entsprechende Maßnahmen sind daher das Gebot der Stunde, um die Situation zu verbessern.

Arbeitslosigkeit
Zur PDF Version

 

 

Veränderung der Arbeitslosigkeit

Ein Blick auf die Veränderung der Arbeitslosenzahlen zeigt die negative Entwicklung: Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 stieg die Zahl der Arbeitslosen in Österreich um knapp 12%. Laut einer aktuellen WIFO-Prognose wird sie sich auch im nächsten Jahr weiter erhöhen. Mit einer Arbeitslosenquote von 8,5% gibt es am heimischen
Arbeitsmarkt einige Schwierigkeiten: Vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit, also Personen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, erhöhte sich im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres um 42%. Aber auch die Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen zwischen 20 und 24 Jahren wuchs um 7,4% gegenüber dem Vorjahreswert.

Wer ist besonders betroffen?

Auf dem Arbeitsmarkt spielen verschiedene Faktoren wie Alter, Bildung oder Geschlecht eine zentrale Rolle. Während jungen Erwachsenen oft vorgehalten wird, ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen zu haben, bzw. dass ihnen die nötige Berufserfahrung fehlt, gelten ältere ArbeitnehmerInnen

spätestens ab 55 Jahren bei den Unternehmen als „zu alt“. Sowohl bei den jungen als auch bei

den älteren ArbeitnehmerInnen ist die Arbeitslosigkeit bei Männern höher als bei Frauen: In der Altersgruppe der 20 bis 24-jährigen sind 11,7% der Männer und 8,8% der Frauen arbeitslos. Bei Personen ab 55 Jahren zeigt sich ein ähnliches Bild: Hier liegt die Arbeitslosenquote der Männer bei 12% und die der Frauen bei 8,7%.

Bildung als zentraler Faktor

Fast die Hälfte (47%) aller Arbeitslosen hat maximal die Pflichtschule abgeschlossen. Generell gilt: Umso höher der erreichte Bildungsabschluss ist, desto geringer ist das Risiko der Beschäftigungslosigkeit, sowohl bei der Häufigkeit als auch bei der Dauer. In diesem Zusammenhang spielt auch die soziale Herkunft eine entscheidende Rolle, denn der Bildungsweg der Kinder ist stark vom Bildungsniveau der Eltern abhängig. Dadurch vererben sich auch die Chancen oder Risiken auf dem Arbeitsmarkt. Eine aktuelle Studie der OECD zeigt, dass der soziale Aufstieg durch Bildung in Österreich sogar besonders schwer gelingt: Österreich landet unter 23 Ländern nur auf Platz 21. Somit ist klar, dass geringe Bildung und das damit verbundenen hohe Risiko für Arbeitslosigkeit kein individuelles Problem ist, sondern in engem Zusammenhang mit gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen steht.

Grafik1_Arbeitslosigkeit

Was heißt es, arbeitslos zu sein?

Diese Frage nach der persönlichen Situation der Betroffenen wird häufig unterbelichtet. Das Bild der Arbeitslosigkeit als „soziale Hängematte“ hat nichts mit der Realität zu tun. Gerade der Einschnitt beim Einkommen entwickelt sich für die Betroffenen sehr schnell zum Problem. Meist bleibt nichts anderes übrig, als auf Ersparnisse (falls vorhanden) zurückzugreifen oder sich (wenn möglich) zu verschulden. Denn im Jahr 2013 verfügten arbeitslose Personen pro Monat im Durchschnitt über lediglich 864 Euro Arbeitslosengeld oder 696 Euro Notstandshilfe. Zum Vergleich: In Österreich liegt die Armutsgefährdungsschwelle bei 1.090 Euro im Monat. Bei der Notstandshilfe kommt außerdem noch hinzu, dass das Einkommen des/der PartnerIn angerechnet wird und damit eine finanzielle Abhängigkeit entsteht. Ein zusätzlicher Punkt ist der psychologische Druck: Junge Menschen bleiben oft in der finanziellen Abhängigkeit der Eltern stecken, bzw. sorgen sich um die Verwirklichung ihrer eigenen Zukunftsplanung, ältere Arbeitslose fürchten um die Höhe ihrer Pension oder wie sie die Zeit bis zur Regelpension überbrücken. Beide Gruppen verbindet jedoch eines: Die Sorge um ihre Existenz.

Maßnahmen für mehr Beschäftigung

Zur Förderung der Beschäftigung gilt es verschiedene Maßnahmen zu setzen. Einerseits braucht es Initiativen wie die Ausbildungsgarantie oder betriebliche Weiterbildungen zur Verbesserung der Qualifikation sowohl von Erwerbslosen als auch von Erwerbstätigen. Andererseits sind Konjunkturbelebungsmaßnahmen notwendig, wie etwa der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen. Dadurch verbessert sich nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern es entstehen auch zusätzliche Jobs. Gerade in Oberösterreich gibt es hier noch deutliches Verbesserungspotential: In fast 25 % aller Gemeinden gibt es kein nachmittägliches Betreuungsangebot für Volksschulkinder. Die Steigerung der Lehrstellenzahl ist eine wichtige Maßnahme, um jungen Menschen einerseits eine Perspektive zu bieten und andererseits Jugendarbeitslosigkeit bzw. JugendarGrafik2_Arbeitslosigkeitmut zu verhindern. Durch die Schaffung zusätzlicher Lehrplätze haben mehr junge Menschen die Möglichkeit, eine solide Ausbildung zu erlangen und gleichzeitig ihr Arbeitslosigkeitsrisiko zu reduzieren. Dem häufig diskutierten Fachkräftemangel wirken diese Maßnahmen ebenfalls entgegen. Durch die staatliche Ausbildungsgarantie und besonderer Förderung wird dabei auch jenen Menschen eine Ausbildung geboten, die trotz längerer Suche keinen entsprechenden Lehrbetrieb finden.

Um die Situation am Arbeitsmarkt für ältere Arbeitssuchende zu verbessern, ist die Einführung eines Bonus-Malus-Systems ein wichtiger Anreiz. Finanzielle Förderungen bzw. Sanktionen schaffen Anreize für Unternehmen, gerade älteren Personen Jobchancen zu bieten. Erfahrung und Qualifikation dürfen in fortgeschrittenem Alter kein Nachteil am Arbeitsmarkt sein. Die Umverteilung von Arbeitszeit ist ein wichtiger Punkt für eine erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik. Während in Österreich viele ArbeitnehmerInnen Überstunden leisten müssen, steigen gleichzeitig die Arbeitslosenzahlen. Eine generelle Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden in der Woche bei vollem Lohnausgleich würde mehr Arbeit schaffen und gleichzeitig höhere Lebensqualität bringen. Klar ist: Das Ziel der Wirtschaftspolitik muss Vollbeschäftigung sein, denn es gilt das Recht auf Arbeit und auf ein Einkommen das für eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft reicht.

SOZIALE NETZWERKE

Aktuelle Beiträge